3Nietzsche Gedächtnishalle

Humboldtstraße 38

Zu sehen ist ein Model das den Eingangsbereich der Nietsche Gedächtnisshalle zeigt. Vor dem Eingang stehen zwei Statuen mit erhobenen Armen.
Eingangsbereich, Modell Paul Schultze-Naumburg, 1937.

Am 25. August 1900 starb Friedrich Nietzsche körperlich gelähmt und geistig umnachtet in Weimar. Seine Schwester hatte den Kranken drei Jahre zuvor in die „Villa Silberblick“ gebracht, weil sie glaubte, hier ein besseres Umfeld für das von ihr gegründete Nietzsche-Archiv zu finden. Es diente der Edition seines Nachlasses und stand unter Kontrolle der deutschnational orientierten Elisabeth Förster-Nietzsche. Kurt Tucholsky spottete in der Weltbühne 1932 über das „herzinnige und neckisch-heroische Geschwafel einer im Irrgarten der Philosophie herumtaumelnden Dame“. Als „geistige Kultstätte“ der europäischen „Nietzsche-Bewegung“ plante sie bereits seit 1910 den Bau einer Nietzsche-Gedächtnishalle. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde die Idee wieder aufgegriffen. Der völkisch-antisemitische Publizist und Architekt Paul Schultze-Naumburg wurde schließlich 1934 mit dem Entwurf beauftragt. Die sakral anmutende Halle war strikt auf der Ost-West-Achse angeordnet und sollte den Besucher zu einer zentralen Figur in der Apsis führen. Die Anfang 1944 angelieferte antike Dionysos-Skulptur, von Benito Mussolini gestiftet, wurde nie aufgestellt.

Paul Schultze-Naumburg galt den Machthabern nicht mehr als ein Architekt auf der Höhe der Zeit. Seine Entwürfe waren umstritten und wurden auf Wunsch von Albert Speer, Fritz Sauckel und Adolf Hitler noch mehrfach überarbeitet. Im August 1938 feierte man Richtfest, dann stagnierte der Bau, das Interesse ließ deutlich nach. Mit Kriegsbeginn kam Materialmangel hinzu, so dass die Halle erst 1944 weitgehend fertiggestellt, aber nicht mehr bezogen wurde.
Seit 1946 wurde die Halle als Funkhaus des späteren Senders Radio DDR 2 genutzt, seit Ende August 2000 steht sie leer.